Ergotherapie
Ergotherapie unterstützt Menschen jeden Alters dabei, Tätigkeiten selbst zu schaffen, die ihnen im Alltag wichtig sind: sich anziehen, kochen, arbeiten, lernen oder einem Hobby nachgehen. Du legst die Ziele mit fest, und geübt wird an echten Alltagstätigkeiten, auch mit passenden Hilfsmitteln und wo es passt bei dir zu Hause. In Studien kamen Menschen etwa nach einem Schlaganfall oder bei Parkinson im Alltag besser zurecht, und bei erhöhtem Sturzrisiko gab es weniger Stürze. Für die Behandlung brauchst du eine ärztliche Anordnung.
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Kontakt aufnehmenWissenswertes zu Ergotherapie
Ergotherapie unterstützt dich dabei, Tätigkeiten wieder selbst zu schaffen, die dir im Alltag wichtig sind: vom Anziehen über Haushalt und Arbeit bis zu Schule und Freizeit [1, 2, 3]. In Studien zeigte sich, dass sie helfen kann, nach einem Schlaganfall oder bei Parkinson den Alltag besser zu bewältigen, Stürze zu Hause zu verringern und Kinder mit Bewegungsschwierigkeiten zu fördern [2, 3, 4, 5]. Du bestimmst die Ziele mit, und geübt wird an echten Alltagstätigkeiten, wo es passt auch bei dir zu Hause [5, 6].
Stand: Oktober 2026 · Quellen am Ende des Abschnitts
- PersonFähigkeiten üben, z. B. bei Armschwäche beide Arme einsetzen oder die Aufmerksamkeit auf die vernachlässigte Seite lenken.
- BetätigungDie Tätigkeit anders ausführen, z. B. einhändig anziehen oder eine feste Anziehroutine einüben.
- UmweltHilfsmittel und Wohnung anpassen, z. B. Haltegriffe, rutschfeste Stufen, Stolperfallen beseitigen.
Was kann Ergotherapie dir bringen?
Ergotherapie dreht sich um das, was dir im Alltag wichtig ist, ob Anziehen, Kochen, Arbeit oder ein Hobby. Sie kann dir zum Beispiel bringen:
- Mehr Selbstständigkeit: Nach einem Schlaganfall kamen Menschen mit Ergotherapie in Studien besser mit Alltagsaktivitäten wie Essen, Körperpflege oder Anziehen zurecht [3]. Bei Parkinson schätzten Teilnehmende ihre Alltagsaktivitäten nach zehn Wochen Ergotherapie zu Hause besser ein [5].
- Sicherer zu Hause: Ihr findet gemeinsam Stolperfallen und passt die Wohnung an, etwa mit Haltegriffen oder besserem Licht [4, 7]. Bei älteren Menschen mit erhöhtem Sturzrisiko gab es so in Studien deutlich weniger Stürze [4]; auch die Angst vor Stürzen kann Ergotherapie verringern helfen [7].
- Hilfsmittel, Gelenkschutz, Kräfte einteilen: Du lernst, etwa Anzieh- oder Badehilfen sicher zu nutzen [8]; Hilfsmittel und Schienen können eigens für dich angefertigt werden [1]. Bei Arthrose in den Händen lernst du gelenkschonendes Arbeiten und wie du die Belastung über den Tag einteilst; Übungen und am Daumensattelgelenk eine Schiene können Beschwerden lindern helfen [9].
- Förderung für Kinder: Kinder, die sich mit Bewegungen schwertun, können mit alltagsorientiertem Training ihre Bewegungsfertigkeiten verbessern, auch Feinmotorik und Handschrift; Eltern und Lehrpersonen bekommen Tipps für zu Hause und die Schule [2].
- Entlastung für die Familie: Bei Demenz kamen Betroffene in Studien mit Ergotherapie zu Hause im Alltag besser zurecht, und ihre Angehörigen wurden entlastet [6, 10].
- Wieder Tritt fassen: Bei schweren psychischen Erkrankungen unterstützt Ergotherapie dabei, Alltagsaktivitäten wieder aufzunehmen; Ziel sind mehr Handlungsfähigkeit, Teilhabe und Lebensqualität [11].
Für wen ist Ergotherapie gedacht?
Ergotherapie kommt infrage, wenn dich eine Erkrankung, Verletzung oder Entwicklungsstörung im Alltag einschränkt [2, 3]. Häufige Anlässe sind:
- Schlaganfall: etwa bei Armschwäche, Neglect (eine Körper- oder Raumseite wird übersehen) oder Apraxie (Schwierigkeiten, Bewegungsabläufe zu planen) [8], auch bei Problemen mit Gedächtnis und Aufmerksamkeit [12]
- Parkinson: bei Schwierigkeiten im Alltag und schon in frühen Stadien zur Beratung [13]
- Leichte bis mittelschwere Demenz: zur Unterstützung im Alltag, gemeinsam mit den Angehörigen [6, 14]
- Hände und Rheuma: rheumatoide Arthritis mit Problemen im Alltag oder bei der Handfunktion [15], Arthrose der Finger- oder Daumengelenke [9], Nachbehandlung etwa nach einem Speichenbruch am Handgelenk [16]
- Ältere Menschen mit erhöhtem Sturzrisiko, etwa nach einem Sturz im letzten Jahr, nach einem Krankenhausaufenthalt oder bei Hilfebedarf im Alltag [4], und bei Angst vor Stürzen [7]
- Kinder, die sich mit Bewegungen deutlich schwerer tun als Gleichaltrige, etwa beim Anziehen, Schreiben oder Sport (umschriebene Entwicklungsstörung der motorischen Funktionen, UEMF; etwa 5 bis 6 % der Kinder) [2]
- Schwere psychische Erkrankungen: als alltagsorientierter Teil der Gesamtbehandlung [11]
Wie wirkt Ergotherapie?
Im Mittelpunkt steht die Betätigung, also das, was du im Alltag tust und tun möchtest. Nach dem Person-Umwelt-Betätigungs-Modell (PEO) hängt das Gelingen einer Tätigkeit vom Zusammenspiel dreier Bereiche ab: dir als Person, der Tätigkeit und deiner Umwelt [17]. An allen drei Stellen kann Ergotherapie ansetzen [3]:
- Üben: Alltagsaktivitäten gezielt trainieren, möglichst dort, wo du sie brauchst [2, 3].
- Fähigkeiten zurückgewinnen: z. B. nach einem Schlaganfall die Aufmerksamkeit auf die übersehene Seite lenken, beide Arme einsetzen oder eine feste Anziehroutine aufbauen [8].
- Andere Wege finden: etwa einhändig anziehen oder Bade- und Anziehhilfen nutzen [8].
- Umgebung anpassen: Stolperfallen und Unordnung beseitigen, rutschfeste Stufen, besseres Licht, Haltegriffe [4, 7].
- Angehörige einbeziehen: z. B. bei Demenz Tipps für die Begleitung im Alltag oder gemeinsames Üben mit Hilfsmitteln [6, 8].
- Denken und Planen: Aufmerksamkeit und Gedächtnis trainieren oder Strategien für den Alltag lernen [12]; bei Kindern z. B. mit dem CO-OP-Ansatz (kognitive Orientierung an alltäglichen Tätigkeiten) [2].
Wie läuft eine Ergotherapie ab?
- Kennenlernen und Befund: Gemeinsam schaut ihr, welche Tätigkeiten dir schwerfallen, was dir gut gelingt und welche Tests sinnvoll sind [1].
- Ziele vereinbaren: Die Ziele richten sich nach deinem Alltag [1]. Im strukturierten Gespräch COPM (Canadian Occupational Performance Measure) wählst du z. B. bis zu fünf wichtige Tätigkeiten, die dir schwerfallen, aus Selbstversorgung, Produktivität (etwa Arbeit, Haushalt, Schule) und Freizeit und bewertest von 1 bis 10, wie gut sie dir gelingen und wie zufrieden du bist [18].
- Behandlung: Geübt wird an echten Tätigkeiten, wo es passt auch bei dir zu Hause [5, 6].
- Umfang: Eine feste Zahl an Einheiten gibt es nicht; in Studien waren es z. B. 10 Einheiten in 5 Wochen bei Demenz [6] oder 10 Wochen bei Parkinson [5].
- Üben im Alltag: Neues gelingt mit Übung, auch zwischen den Terminen; bei Kindern helfen angeleitete Eltern und Lehrpersonen dabei [2].
- Fortschritte sehen: Ihr überprüft regelmäßig, was sich verbessert hat, und passt die Ziele an [1]; bei Kindern empfiehlt die Leitlinie dafür standardisierte Tests [2].
Was sagt die Forschung?
Einige Ergebnisse im Überblick:
- Sturzvorbeugung: Bei älteren Menschen mit erhöhtem Sturzrisiko sank die Zahl der Stürze durch das gezielte Beseitigen von Sturzgefahren zu Hause um 38 % (hohe Aussagekraft) [4]. Laut Welt-Sturzleitlinie wirkt das eher, wenn Ergotherapeutinnen oder Ergotherapeuten es übernehmen; gegen die Angst vor Stürzen nennt sie Ergotherapie als eine Möglichkeit [7].
- Kinder mit UEMF: Die internationale Leitlinie empfiehlt alltagsorientierte Ansätze wie CO-OP mit dem höchsten Empfehlungsgrad; viele Studien fanden große Verbesserungen der Bewegungsfertigkeiten [2].
- Schlaganfall: Eine Cochrane-Übersicht mit 9 Studien fand bessere Alltagsaktivitäten und ein geringeres Risiko, darin schlechter zu werden, bei geringer Aussagekraft [3]; die britische Leitlinienbehörde NICE empfiehlt Ergotherapie bei Alltagsproblemen nach Schlaganfall [8]. Bei Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsproblemen verbesserte sich die geistige Leistungsfähigkeit leicht [12].
- Parkinson: In einer Studie mit 191 Betroffenen schätzten Teilnehmende ihre Alltagsaktivitäten nach zehn Wochen Ergotherapie zu Hause besser ein als die Vergleichsgruppe [5]; NICE empfiehlt Parkinson-spezifische Ergotherapie bei Alltagsproblemen [13].
- Demenz: Eine Auswertung von 15 Studien fand Verbesserungen bei Alltagsaktivitäten, Verhalten und Lebensqualität, und Angehörige brauchten weniger Zeit für Hilfe (Aussagekraft sehr gering bis mittel) [10]; ähnlich eine niederländische Studie [6]. Zwei größere Studien aus Deutschland und England fanden keinen Unterschied zu einer einmaligen Beratung bzw. der üblichen Versorgung, in England erreichten die Teilnehmenden mit Ergotherapie aber 91 % ihrer Alltagsziele ganz oder teilweise [19, 20]. NICE empfiehlt, Ergotherapie zu erwägen [14].
- Hände und Rheuma: NICE empfiehlt bei rheumatoider Arthritis Zugang zu spezialisierter Ergotherapie [15], die europäische Rheuma-Fachgesellschaft EULAR bei Arthrose in den Händen Schulung, Hilfsmittel, Übungen (mit kleinem Effekt) und am Daumensattelgelenk eine längerfristig getragene Schiene [9]. Nach einem Speichenbruch gibt es aus einer kleinen Studie erste Hinweise, dass frühe Ergotherapie die Handfunktion kurzfristig verbessert [16].
- Psychische Erkrankungen: Die deutsche S3-Leitlinie (2026) empfiehlt alltagsorientierte Ergotherapie („sollte“), gestützt auf meist kleine Studien [11].
Insgesamt beobachten viele Studien Verbesserungen im Alltag. Offen ist noch, welche Bausteine im Einzelfall am meisten bringen: Viele Studien sind klein, und da alle Beteiligten wissen, wer Ergotherapie bekommt, ist ihre Aussagekraft oft begrenzt [3, 12]. Bei Kindern sind alltagsorientierte Ansätze deutlich besser belegt als sensorische Integrationstherapie [2].
Wann ist Vorsicht geboten?
Die ausgewerteten Leitlinien nennen für Ergotherapie als Ganzes keine Gegenanzeigen [8, 13, 14]; in zwei Studien traten keine therapiebedingten unerwünschten Ereignisse auf [5, 19]. Worauf trotzdem geachtet wird, klärt das Erstgespräch:
- Belastbarkeit: Die Einheiten werden an deinen Gesundheitszustand angepasst, etwa an Erschöpfung (Fatigue), Stimmung und Motivation [8].
- Schulter bei Armlähmung: Bei Schwäche oder Spastik (erhöhter Muskelspannung) des Arms lernen du und deine Angehörigen, Schmerzen und Verletzungen der Schulter vorzubeugen [8].
- Schienen und Dehnlagerungen werden gezielt eingesetzt, denn sie können Hautschäden, Blasen, Blutergüsse und Schmerzen verursachen [21]; bei Armschwäche nach Schlaganfall sind Handschienen nicht routinemäßig vorgesehen [8]. Geschultes Fachpersonal passt Schienen an und kontrolliert sie regelmäßig; du und deine Angehörigen lernt, sie an- und abzulegen und auf Rötungen und Hautschäden zu achten [8].
- Nach Operationen und Verletzungen: Bring ärztliche Vorgaben, etwa zur erlaubten Belastung, und Befunde zum ersten Termin mit; behandelt wird auf ärztliche Anordnung [1].
Warnzeichen: rasch abklären lassen
- Plötzliche einseitige Lähmung, Sprach-, Seh- oder Gleichgewichtsstörungen oder schlagartiger, sehr starker Kopfschmerz können Zeichen eines Schlaganfalls sein: sofort Notruf 144 [22].
- Rötung, offene Hautstellen, Taubheitsgefühl oder zunehmende Schmerzen unter einer Schiene: rasch mit deiner Therapeutin, deinem Therapeuten oder deiner Ärztin bzw. deinem Arzt sprechen [8, 21].
- Wenn dein Zustand es erfordert oder Komplikationen auftreten, ziehen Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten ärztliche Hilfe bei; dazu sind sie gesetzlich verpflichtet [1].
Wer führt Ergotherapie durch?
- Im pgz führen Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten die Therapie durch. Ergotherapeutin bzw. Ergotherapeut ist in Österreich ein gehobener medizinisch-therapeutisch-diagnostischer Gesundheitsberuf (MTD-Beruf), geregelt im MTD-Gesetz 2024 [1].
- Ausbildung: ein Fachhochschul-Bachelorstudium Ergotherapie oder eine gesetzlich gleichgestellte frühere Ausbildung, dazu die Eintragung ins Gesundheitsberuferegister (§ 27 MTDG) [1].
- Ärztliche Anordnung: Für eine Behandlung brauchst du eine ärztliche Anordnung; die Therapie führt die Ergotherapeutin oder der Ergotherapeut dann eigenverantwortlich durch (§ 11 MTDG) [1].
- Ohne Anordnung möglich sind Angebote zur Gesundheitsförderung sowie zur Vorbeugung und Früherkennung [1].
Wichtig: Diese Informationen ersetzen keine ärztliche Untersuchung und Diagnose. Ob Ergotherapie für dich passt und welche Ziele sinnvoll sind, besprichst du am besten mit deiner Ärztin oder deinem Arzt und im ergotherapeutischen Erstgespräch.
Quellen
- [1]Bundesgesetz über die gehobenen medizinisch-therapeutisch-diagnostischen Gesundheitsberufe (MTD-Gesetz 2024 – MTDG). BGBl. I Nr. 100/2024, insbesondere §§ 1, 2, 10, 11, 27, 32, 60. Geltende Fassung im RIS (Fassung vom 11.10.2026, keine Novellen seit der Stammfassung). www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=20012653
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